Ein Chassis, hohe Geschwindigkeit: Wie funktionieren Formula-2-Autos?

Diese Seite teilen
In Formula-2-Fahrzeugen verwendet jedes Team dasselbe Dallara -Chassis, denselben Mecachrome-V6-Motor und dieselben Pirelli-Reifen; das Ziel dieser "Ein-Chassis"-Philosophie ist es, die Kosten im Zaum zu halten und den Sieger allein vom Können des Fahrers abhängig zu machen. Das heißt, keines der 22 Autos im Grid ist schneller als das andere - schnell ist der Pilot, und er steht auf dem Podium. Aber wie funktionieren diese Maschinen genau, was tragen sie in die F1 hinüber und wie halten sie das Budget im Gleichgewicht? Los geht's!
Die wichtigsten Punkte
- Alle F2-Autos haben dieselbe Spezifikation: Dallara-Chassis + Mecachrome-Motor, 22 Fahrzeuge von Einheitsbauart.
- Motor: 3,4-Liter-Ein-Turbo-V6, 620 PS bei 8750 U/min, 570 Nm Drehmoment.
- Höchstgeschwindigkeit 335 km/h, 0-100 km/h in 2,9 Sekunden.
- Gewicht: inklusive Fahrer 795 kg; die F1-Sicherheitsstandards der FIA von 2024, einschließlich des Titan-Halo.
- Für 2027-2029 wurde ein neues Fahrzeug vorgestellt: Chassis bleibt gleich, Flügel wurden neu gestaltet.
Die Ein-Chassis-Logik: Warum fährt jeder mit demselben Auto?
Stell es dir so vor: In der Schule schreibst du eine Prüfung, und jeder hat ein anderes Lehrbuch. Schwer zu erkennen, wer besser vorbereitet ist, oder? Formula 2 löst dieses Problem an der Wurzel. Alle Teams müssen dasselbe Chassis, denselben Motor und denselben Reifenlieferanten verwenden. Der technische Partner Dallara produziert alle 22 Autos nach derselben Spezifikation, und alle werden vom selben Mecachrome-V6-Motor angetrieben.
Das Ergebnis? Das Können des Piloten und das strategische Geschick des Teams treten in den Vordergrund. Nicht mit Motorleistung, sondern mit späteren Bremspunkten überholen Fahrer ihre Konkurrenten. Zudem hält diese Regelung den Rennsport für die Teams vergleichsweise kostengünstig; denn niemand versucht, Millionen auszugeben, um 20 PS mehr Leistung als der Rivale zu finden. Deshalb wurde die F2 als ideale Vorbereitungsbühne für die F1 konzipiert.
Diese Philosophie macht sich auch bei den Kosten bemerkbar. Die Teams nutzen ihre neuen Fahrzeugpakete über drei Saisons; das 2024 eingeführte Chassis und der Motor halten beispielsweise drei Saisons durch. Statt dass die Fahrzeuge einzeln gekauft werden, wurde ein zentrales Beschaffungssystem eingerichtet. Diese Regelung erleichtert es auch, das Grid auf 11 Teams und 22 Fahrzeuge konstant zu halten.
Technische Daten des F2-Autos: Die Maschine in Zahlen
Werfen wir einen Blick aufs Zeugnis des Fahrzeugs. Der Motor, ein von Mecachrome vorbereiteter 3,4-Liter-V6 mit Ein-Turbolader: 620 PS bei 8750 U/min, 570 Nm Drehmoment bei 6000 U/min. Das Gassystem funktioniert per fly-by-wire, und der Motor muss alle 8000 Kilometer einer verpflichtenden Revision unterzogen werden. Auch die Leistung kann sich sehen lassen: 0-100 km/h in 2,90 Sekunden, 0-200 km/h in 6,60 Sekunden. Die mit Monza-Aerodynamik-Setup und DRS erreichbare Höchstgeschwindigkeit beträgt 335 km/h. In Kurven fühlt sich der Pilot einer Querbeschleunigung von bis zu 3,9 G ausgesetzt und beim Bremsen einer Verzögerung von -3,5 G.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Motor | Mecachrome 3,4 L Ein-Turbo-V6 |
| Leistung / Drehmoment | 620 PS (8750 U/min) / 570 Nm (6000 U/min) |
| 0-100 km/h | 2,90 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 335 km/h (Monza-Setup + DRS) |
| Länge / Breite / Höhe | 5285 / 1900 / 1097 mm |
| Radstand | 3135 mm |
| Gewicht (inklusive Fahrer) | 795 kg |
| Getriebe | Hewland 6-Gang, Schaltwippen |
| Kraftstofftank | Premier FT5, 125 Liter |
| Reifen | Pirelli (exklusiv für F2), O.Z. Racing Magnesiumfelgen |
Im Vergleich zur F1 wird das Bild klarer: F1-Motoren leisten etwa 1000 PS, und dieser Unterschied macht die F1-Autos auf Geraden durchschnittlich 16-24 km/h schneller. Die F2 ist also das "kleine Geschwister der F1" - aber das ist, wie wir sehen werden, gar nicht so einfach.
Chassis, Halo und Sicherheit
Die Monocoque-Karosserie wird aus einer Kohlenstoff/Aluminium-Wabensandwichstruktur gefertigt und mit Zylon-Antiintrusionspaneelen verstärkt. Das Fahrzeug erfüllt genau die F1-Sicherheitsstandards der FIA von 2024, einschließlich der F1-Spezifikation des titanenen Halo Das schwarze Bogen, der beim Aufprall eines Reifens oder Rades auf das Cockpit den Kopf des Fahrers schützt, ist also auch in der F2 im Einsatz. Die Radaufhängung besteht aus doppelten Querlenkern aus Stahl mit Pushrod-Anordnung; die Dämpfer an der Vorderachse sind zweidimensional, die an der Hinterachse vierdimensional einstellbar. Die Bremsen sind ernsthaft hochkarätig: Brembo 6-Kolben-Monobloc-Bremssättel und Kohlenstoff-Kohlenstoff-Scheiben.
Getriebe und Reifen
An der Hinterachse sitzt ein von Hewland gefertigtes 6-Gang-Längssequenzgetriebe; die Gänge werden elektrohydraulisch über die Paddle Shifts am Lenkrad geschaltet, die Kupplung ist eine Karboneinheit von ZF SACHS. Ein interessantes Detail: Das Fahrzeug hat keinen Anlasser - wird der Motor abgewürgt, ist ein Eingriff von außen erforderlich. (Aber warte, 2027 ändert sich das; dazu unten mehr.) Bei den Reifen ist Pirelli seit 2017 alleiniger Lieferant: auf trockener Piste die Komponenten supersoft (lila), soft (rot), medium (gelb) und hard (weiß), bei Nässe kommt ein einziger blauer Wet-Reifen zum Einsatz. Ein TPMS-System, das den Reifendruck laufend überwacht, ist ebenfalls Standard.
Wie funktioniert DRS in der F2?

Auch die F2 hat DRS, und es funktioniert genau nach demselben Prinzip wie in der F1. Kurz zur Erinnerung: DRS ist ein verstellbarer Heckflügel, der auf Befehl des Fahrers geöffnet wird. Bei geöffnetem Flügel verringert sich der Luftwiderstand des Fahrzeugs vorübergehend, die Höchstgeschwindigkeit steigt, und das Heranfahren an das vordere Fahrzeug wird erleichtert. In der F2 erfolgt die Aktivierung hydraulisch.
Auch die Regeln kommen einem bekannt vor: Im freien Training und im Qualifying kann jeder DRS in den festgelegten Zonen frei nutzen - die Zonen sind identisch mit der F1. Im Rennen kann der Flügel geöffnet werden, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug unter 1 Sekunde fällt Die F2-Piloten müssen also beim Aufstieg in die F1 für den DRS nichts "Neues lernen"; das Muskelgedächtnis ist bereits vorhanden.
Was ist der Unterschied zwischen F2 und F3?
Beide Serien sind Stufen der F1-Leiter, aber der Leistungsunterschied zwischen ihnen ist erheblich. Während die F2 einen turbogeladenen V6 mit 620 PS hat, verwendet die F3 einen kleineren atmosphärischen Motor mit etwa 380 PS (also ohne Turbo). Dieser Unterschied bedeutet, dass ein Fahrer, der von der F3 in die F2 aufsteigt, sowohl mehr Leistung beherrschen als auch das Turbolernen lernen muss.
Auch das Format ist ein wichtiger Unterschied. In der F2 gibt es am Wochenende sowohl ein Sprint- als auch ein Feature-Rennen, im Feature-Rennen ist ein Pflichtboxenstopp vorgeschrieben. Die F3 bietet dagegen einen kürzeren Ablauf mit nur einem Rennen. Bei der technischen Infrastruktur gibt es durchaus Ähnlichkeiten: Beide Serien verwenden ein Hewland 6-Gang-Getriebe; beim neuen F3-Auto geht die Getriebefertigung an einen anderen Lieferanten über, aber das Konzept bleibt gleich. Sogar die Ergonomie des Lenkrads des neuen F3-Autos wurde bewusst an die F2 angepasst - damit sich die Gewohnheiten der Hand beim Aufstieg von den kleinen Stufen in die große Stufe nicht verschlechtern. Stell es dir so vor, als würdest du vom Gaming-Sitz auf einen anderen Spielsitz wechseln: Die Tasten sollen an derselben Stelle bleiben, damit der Reflex nicht verloren geht.
Kostenbalance und Rennformat
Einer der größten Vorteile des Spec-Formats ist, dass es das Budget planbar hält. Nach Zahlen aus den ersten Jahren der Serie sollte ein Fahrzeug rund 300.000 € kosten, und die Antriebseinheiten sollten einschließlich Miete und Revision unter 100.000 € gehalten werden. Anmerken wir heute, dass diese Zahlen historische Werte sind, aber die Logik ist immer noch dieselbe: Niemand verbrennt ein Vermögen im Entwicklungswettrennen.
Auch das Rennformat ist lehrreich. Ein F2-Wochenende läuft so ab:
- Freitag: 45 Minuten freies Training und 30 Minuten Qualifying.
- Samstag: 120 km Sprintrennen; das Grid entsteht durch die Umkehrung der besten 10 aus dem Qualifying, ohne Boxenstopp.
- Sonntag: Vor dem F1 Grand Prix ein 170 km Feature-Rennen mit Pflichtboxenstopp.
In der Saison 2025 bestand der Kalender aus 14 Runden, erstreckte sich über drei Kontinente und wurde vollständig in die F1-Rennwochenenden integriert. Auch das Punktesystem belohnt die Leiter: Pro Wochenende können maximal 39 Punkte gesammelt werden - 2 Punkte für die Pole-Position, Punkte für die Top 8 im Sprint beginnend mit 10, Punkte für die Top 10 im Feature beginnend mit 25 und Boni für die schnellsten Runden.
Das Auto 2027: Gleiches Chassis, neue Flügel
Die große Nachricht der Serie ist schon da: Die FIA Formula 2 hat ihr neues Auto für die Saisons 2027-2029 in Monza auf der F1-Strecke vorgestellt. Und das Witzige (oder Geniale) daran: Das Dallara-Chassis von 2026 bleibt unverändert, die eigentliche Änderung liegt an den neu gestalteten Front- und Heckflügeln. Das neue Aerodynamik-Paket zielt darauf ab, dass die Fahrzeuge ähnlich wie bei den aktuellen F1-Regelwerken nah beieinander fahren können, also dass die schmutzige Luft des vorderen Fahrzeugs die Geschwindigkeit des hinteren nicht tötet. Wenn du fragst, warum das Chassis nicht geändert wurde, lautet die Antwort ganz klar: Kostenkontrolle.
Die Formula 2 ist der Ort, an dem die nächste Generation von Spitzentalenten heranwächst.
Auch beim Motorpaket gibt es keine Überraschung: Derselbe 3,4-Liter-Einturbo-V6 von Mecachrome geht mit 620 PS und 570 Nm weiter. Auf der Kraftstoffseite gibt es hingegen eine Neuerung - der in der F2 2025 erfolgreich eingeführte fortschrittliche nachhaltige Kraftstoff wird auch 2027 verwendet werden. Meine liebste technische Neuerung ist der Onboard-Starter: Hewland hat das vorhandene Getriebe an dieses System angepasst, und der Fahrer kann das Auto nun nach einem Dreher und abgestelltem Motor neu starten, ohne anzuhalten. Ein Detail, das die operative Belastung der Teams erheblich erleichtern wird.
Auch der Entwicklungsprozess schreitet voran: Der erste Prototyp fuhr im Juni 2026 in Barcelona-Catalunya; mit Dallara wurden Windkanal- und Aerodynamiktests durchgeführt. Die Teams erhalten ihr erstes Fahrzeugpaket im Dezember 2026, ihr zweites im Januar 2027.
Macht F2 die Piloten wirklich für die F1 bereit?
F2 ist die offizielle Nachwuchsserie der F1, und das ist kein leeres Gerede: Fünf Fahrer des Grids von 2024 fuhren in der F1-Saison 2025 Rennen. So fand beispielsweise Gabriel Bortoleto bei Sauber einen Sitz, Jack Doohan bei Alpine. Viele F2-Piloten sind zugleich an die Förderprogramme der F1-Teams angebunden; sie wachsen also innerhalb des F1-Ökosystems auf. Außerdem muss in jeder F1-Saison ein FP1-Training von einem Nachwuchsfahrer absolviert werden - das gibt den Jungen die Chance, echte Kilometer in echten F1-Maschinen zu sammeln.
Doch die Lage ist nicht rosig. Während F2-Feature-Rennen höchstens 60 Minuten dauern, können F1-Rennen bis zu zwei Stunden lang sein; F2-Absolventen müssen ihre körperliche Belastbarkeit auf dem Weg in die F1 noch steigern. Hinzu kommt eine philosophische Debatte: Manche Kreise argumentieren, dass die in der F2 erlaubte begrenzte Fahrzeugentwicklung die Piloten besser auf die F1 vorbereite; schließlich bringen die Teams in der F1 während der gesamten Saison kontinuierlich neue Teile. Aus dem anderen Lager kommt der Ansatz des Serien-CEOs Bruno Michel: Ein einziges Chassis und ein kontrolliertes Budget sorgen für ein ausgeglichenes Umfeld und ermöglichen es den Fahrern, ihr Talent zu zeigen - das ist ohnehin der Sinn des Spec-Formats. F1-Präsident Stefano Domenicali bringt es auf einen Satz: F2 ist die ultimative Prüfungsarena der F1.
Meine Einschätzung ist: Die Ein-Chassis-Regel bietet vielleicht die ehrlichste Prüfung auf der Strecke. Wenn der Fahrzeugunterschied als Ausrede wegfällt, bleibt nur noch der Fahrer. Dass die jungen Fahrer, die um einen F1-Cockpit kämpfen, sich hier beweisen müssen, zeigt auch, wie belastbar die Karriereleiter ist.
Letztes Wort: Einfache Maschine, harte Prüfung
Das F2-Auto ist nicht so exotisch wie ein F1-Auto, aber genau so, wie es sein sollte: 22 junge Fahrer, die bei einer gemeinsamen Prüfung mit 620 PS antreten, beweisen auf denselben Maschinen, wer wirklich talentiert ist. Das Chassis ist dasselbe, der Motor derselbe, die Reifen dieselben - der einzige Unterschied ist der Mensch hinter dem Lenkrad. Für jeden jungen Fahrer, der die F1-Leiter hinaufklettern möchte, ist das Bestehen dieser Prüfung eine Pflichtlektion. Findest du nicht auch, dass das einer der ehrlichsten Kämpfe im Motorsport ist?
Quellen
- F2-Auto und -Motor
- Die FIA Formula 2 stellt ihr neues Auto für die Saisons 2027-2029 vor
- Alles, was du über die Formel 2 im Jahr 2025 wissen musst
- FIA-Formel-2-Meisterschaft
- Dallara GP2-Autos
- Die Formel 2 präsentiert ihr neues Auto für 2024, das von Dallara gebaut wird
- F3 erklärt: Wie das neue Auto F2 so nahe kommt wie nie zuvor
- Wie vergleichen sich die FIA-Monoposto-Meisterschaften?
- F1 vs. F2: Was ist der Unterschied?
- Drag-Reduktionssystem
- Weitere Details zur Formel 2 werden bekannt
- Wie die Formel 2 zum Sprungbrett für die nächste F1-Generation wurde
- Wie nützlich sind F1-FP1-Einsätze für junge Fahrer?